eine gemeinschaftskueche

Dezember 3, 2009

fuer das wohnprojekt moeckernkiez in berlin

diplomarbeit nico moellers

Worum geht es?

Auf dem Gleisdreieck-Gelände zwischen Kreuzberg, Schöneberg und Tiergarten in Berlin liegt das Baufeld Möckernkiez, ein ca. 3 ha großes Areal an der Ecke Möckernstraße/ Yorkkstraße, auf dem in den nächsten Jahren 12 bis 15 Gebäude mit Wohnungen und Gewerbeflächen errichtet werden sollen. Es ist zu befürchten, dass die meisten KreuzbergerInnen sich die Wohnungen nicht leisten können und das Gelände zu einem überteuerten Luxusviertel mutiert.

Um dieser Entwicklung etwas entgegensetzen zu können, hat sich die Baugenossenschaft „Möckernkiez e.V“ für gemeinschaftliches, Generationen verbindendes, ökologisches und interkulturelles Bauen und Wohnen in Berlin gegründet. Ihr Ziel ist es, dem Investor das Grundstück abzukaufen und auf dem Gelände Ecke Möckernstraße/ Yorkstraße ein neues Quartier nach ökologischen und sozialen Aspekten zu errichten. Zu diesem Zweck sollen die zukünftigen MieterInnen und KäuferInnen von Wohnungen im Möckernkiez eine Genossenschaft als Selbsthilfeorganisation gründen und im Zusammenschluss zu Baugemeinschaften nach ihren Vorstellungen die Häuser auf dem Grundstück errichten.

Der Plan ist, eine kooperative und solidarische Lebens-, Arbeits- und Wohnform in Generationen verbindenden Hausgemeinschaften zu realisieren. Das Aussparen eines gewinnorientierten Bauträgers soll es ermöglichen, die Baukosten um bis zu 25% zu reduzieren. Darüber hinaus kann durch Mitsprache im demokratischen Planungsprozess die Verwirklichung individueller Wünsche und Vorstellungen ermöglicht werden. Das Projekt Möckernkiez soll den Bedürfnissen aller BewohnerInnen gerecht werden: Grünflächen, ein Spielplatz, eine Sportanlage, eine eigene Sauna – es gibt viele Chancen. Es wird sich Gewerbe ansiedeln, beispielsweise ein Biomarkt, ein Hotel, ein Fahrradladen, Arztpraxen und Restaurants. Der Möckernkiez soll ein lebendiges, dynamisches Zentrum werden. Mehr als ein Ort zum Wohnen – ein Ort zum Leben.

Der zweite, wichtige Grundpfeiler der Möckernkiez – Initiative ist die ökologische Nachhaltigkeit. Darunter versteht man eine Lebensweise, deren Ressourcenverbrauch nur so groß ist, dass prinzipiell alle Menschen jetzt und auch in Zukunft gut nach ihr leben können. Das Ökologiekonzept beruht auf den vier Pfeilern Energieeffizienz, erneuerbare Energien, ökologische Baumaterialien und geringer Ressourcendurchsatz und es bildet die Grundlagen für alle Überlegungen zu gestalterischen Maßnahmen.

Der Zusammenschluss zu einer Baugemeinschaft und das gemeinsame Errichten eines Hauses führten zu folgender Überlegung: Wie könnte das Haus aussehen, wenn sich die zukünftigen Bewohner unter dem Schild einer solidarischen, ökologischen und weltoffenen Gemeinschaft sammeln, um diese Vision umzusetzen? Ist es nicht dann auch an der Zeit, über eine andere Form des Zusammenlebens nachzudenken?

Eine Gemeinschaft funktioniert durch das Zusammensein. Gemeinschaft lässt sich nicht in abgeschlossenen Wohnräumen praktizieren sondern muss gelebt werden. Durch den Austausch und das Gespräch soll ein erfüllendes Miteinander entstehen, in dem Gemeinschaft und der Rückzug ins Private gleichermaßen möglich sind. Und seit jeher ist dieser Ort des gemeinschaftlichen Arbeitens, Lebens und Lernens die Küche…

Ziel meiner Arbeit ist es, für die Bewohner des Hauses einen Rahmen zu schaffen, der seiner Funktion als kommunikativer Mittelpunkt der Gemeinschaft gerecht wir.

Dadurch entstand folgendes Szenario für die Bearbeitung meiner Diplomarbeit. Es findet sich eine Baugemeinschaft aus 10 Personen zusammen, die ein Haus auf dem Möckernkiez errichtet. Die Küche wird zum Herzstück des Gebäudes. Jeder Bewohner hat seinen eigenen Rückzugsbereich, sprich eine eigene Wohnung, die jedoch zu Gunsten des Gemeinschaftsraumes nicht über eine separate Küche im herkömmlichen Sinne verfügt.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keinen Entwurf für die Gebäude auf dem Möckernkiez. Als Zentrum des Hauses soll sich die Küche jedoch im Erdgeschoss befinden. Hier ist sie für jedermann gut zugänglich und lässt sich in den Tagesablauf des Einzelnen leicht einbinden. Nach meinen bisherigen Überlegungen soll die Küche als Pavillon an das Gebäude andocken. Da diesbezüglich noch keine weitergehenden Planungen getätigt worden sind, beginnt mein Raumentwurf mit dem Überschreiten der Schwelle zur Küche hin. Diese soll sich im Haus mit ihrer Ausrichtung weg von der Vorderseite nach hinten raus orientieren, wo auch das Naturschutzgebiet Gleispark entstehen soll.

Die Entwicklung der Küche…

Die Küche ist wohl der ursprünglichste aller Wohnräume. Diesen Entwicklungsprozess in all seinen Fassetten darzustellen ist beinahe unmöglich. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nur einen kurzen Überblick der für meinen Entwurf wichtigsten Entwicklungsschritte zur gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung der Küche als Wohnraum geben.

Erste nachweisbare Strukturen, die sich von der reinen Feuerstelle unterscheiden ließen, wurden auf das Jahr 8000 vor Christus datiert. Von diesem Zeitpunkt an war die Entwicklung der Küche ein gleichförmiger, aufbauender Prozess. Das zuvor Erreichte wurde weiterentwickelt, verbessert und neue Komponenten hinzugefügt.

Die Küche hatte immer schon einen hohen Stellenwert in der sozialen Struktur der Menschheitsentwicklung eingenommen. Sie war der Ort, an dem die Familie zusammen kam. Hier wurde gemeinsam gekocht, gegessen, gearbeitet und sogar geschlafen. Die Entwicklung der Küche geht deshalb einher mit der Entwicklung des Wohnraumes. Lange Zeit war das 1 – Raum Prinzip bestimmend.

Durch das Miteinander der Generationen einer Großfamilie wurde die soziale Struktur der Sippe gestärkt, die Jungen lernten von den Alten und der Zusammenhalt in der Gemeinschaft wurde gefördert. Dieses Miteinander entstand aus der Situation heraus, dass der Wohnraum der Familie durch das Herdfeuer beheizt wurde. Man kann also sagen, diese Form der Gemeinschaft war nicht immer ganz freiwillig gewählt. Der enge Verbund von Wohnraum und Küche löste sich deshalb auch auf, als die technische und finanzielle Möglichkeit bestand, die Räume separat zu beheizen.

Vor allem zum Beginn der Industrialisierung in Europa Anfang des 19. Jahrhunderts entfernte sich die Küche immer mehr vom Zentrum der Familie und wurde zum Nebenraum der Hausgemeinschaft abgewertet. Zu diesem Zeitpunkt prägten auch sozialpolitische Einflüsse das Erscheinungsbild der Küche. Es entstanden neue Gesellschaftsformen, die Großfamilien lösten sich auf und es ergab sich die Notwendigkeit, dass die Frau zum Familieneinkommen mit beitragen musste, was dazu führte, dass sie nicht mehr in dem Maße wie bisher der aufwendigen Küchenarbeit nachkommen konnte.

Dies bot Anreiz zu Küchenentwürfen wie den der Frankfurter Küche der Architektin Margarethe Schütte – Lihotzky, die den Zeitgeist der Industrialisierung aufgriff und eine Küche nach

den Gesichtspunkten der modernen, industriellen Fertigungsprinzipien entwarf. Eine Küche, in der die Hausfrau mit wenigen Handgriffen die Versorgung der Familie bewerkstelligen konnte. Durch diese Entwicklung verlor die Küche aber auch immer mehr an Bedeutung als Gemeinschaftsraum der Familie. Der Essbereich wurde von der Küche abgetrennt. Die „Gute Stube“ wurde das neue Zentrum des familiären Zusammenlebens.

Gleichzeitig wurde die Technisierung der Küche vorangetrieben. Die ursprünglich sehr arbeits- und zeitintensive Küchenarbeit wurde durch allerlei Gerätschaften vereinfacht. Diese Technik wurde mit der Zeit bezahlbar und stand plötzlich auch der breiten Masse zur Verfügung.

Die Küche hatte somit ihre ursprüngliche Funktion verloren. Ein Raum, in dem sich vormals das gesamte Familienleben abspielte, wurde auf seine einfachste Daseinsform, der Nahrungszubereitung, beschnitten.

Nach dem Krieg, bedingt durch den Zwang, schnell neuen Wohnraum schaffen zu müssen, schlug die Stunde der Einbauküchen. Diese Systemküchen erfreuten sich schnell einer wachsenden Beliebtheit und durch die Vereinheitlichung und Normierung der Maße wurde eine industrielle Massenproduktion ermöglicht. Als Weiterentwicklung der Frankfurter Küche besann sie sich jedoch schon wieder mehr auf die ursprüngliche Bestimmung der Küche als Gemeinschaftsraum.

Seit den 80er Jahren gibt es gegenläufige Entwürfe und Küchendesigns. Otl Aicher versuchte mit seinem Buch „Die Küche zum Kochen“ das Diktat der Einbauküche zu durchbrechen und eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Wertigkeit der Küche als Wohn- und Arbeitsraum zu erreichen.

Abschließend kann man festhalten, dass es bei der Entwicklungsgeschichte der Küche immer mehrere Handlungsstränge gab, die jedoch eng miteinander verbunden waren in Bezug auf die technische und soziale Entwicklung der Gesellschaft. Auffallend ist, dass sich die Küche immer schon in der Oberschicht weiterentwickelt hat und diese Neuerungen von dort aus nach „unten“ weitergereicht wurden.

Fazit

Auf dem Weg in die Moderne ging der soziale Charakter der Küche verloren. Vom Aufenthaltsraum und Mittelpunkt der Familie über das Gefängnis für Dienstpersonal hin zur Einzelzelle der modernen Hausfrau.

In der heutigen Zeit ist die Küche wieder eindeutig in das Zentrum des Hauses zurückgekehrt und wird auch als solches wahrgenommen. Diese Rückbesinnung geht einher mit dem Wunsch in der Gesellschaft nach Einfachheit, Verständlichkeit und der Wiederentdeckung der Familie.

Die Auswüchse dieser Rückbesinnung sind jedoch widersprüchlich. Was als positiver Ansatz zu sehen ist, nimmt ungeahnte Ausmaße an. Auf der einen Seite der Wunsch nach mehr Nähe und Wärme und einer verständlichen, greifbaren Welt, der auf der anderen Seite von der Industrie mit sterilen Hochglanzlösungen befriedigt wird. Die Küche heute wird zum Statussymbol des Hauses. Es findet eine Technisierung sondergleichen statt. Kühlschränke bestellen die leere Milch per Internet nach, Öfen und Herde werden den Ansprüchen an Profiküchen gerecht und zu allem Überfluss kann man in diesen Küchen nicht mehr kochen, weil sie sich wie ein überzüchteter Hund nicht mehr zum Kochen und Arbeiten eignen oder so minimalistisch gestaltet sind, dass schon die Kaffeetasse auf der Anrichte das Bild der Küche zerstört.

Mein Ziel ist daher eine Rückbesinnung auf Verständlichkeit und Einfachheit. Die Küche soll wieder zum Mittelpunkt werden im ganzheitlichen Sinne. Als Ort, an dem wieder zusammen gearbeitet, gelernt und gedacht wird.

Entwurf

Mein Entwurf bezieht sich auf zwei Themenschwerpunkte. Zum einen auf das Verständnis, die Küche als Werkstatt zu begreifen, zum anderen auf die Alltagskreativität als menschliches Grundbedürfnis.

Die Küche als Ort der Kommunikation und als soziales Zentrum des Hauses soll mich durch ihr offenes Erscheinungsbild zum Arbeiten und Tätigwerden anregen. Durch die Rückbesinnung auf meine eigenen Fähigkeiten erlange ich ein neues Selbstbewusstsein. Es verhilft mir zu mehr Selbstachtung und Realitätssinn. Ich kann mich zu einem guten Teil wieder auf mich selbst verlassen und bin dem Alltag nicht mehr so hilflos ausgeliefert. Die Kommunikation während des Arbeitsprozesses fördert den sozialen Zusammenhalt und die Gemeinschaft stärkt meinen Geist und meine Seele.

Die Organisation der Küche erfolgte nach einer Analyse der einzelnen Arbeitsabläufe in der Küche. Aus diesem Ergebnis habe ich die Gestaltungsprinzipien der einzelnen Arbeitsplätze abgeleitet und in einen logischen Ablauf gebracht. Die Art der technischen Einbauten orientierte sich nach verschiedenen Gesichtspunkten. Was hilft mir beim Arbeiten oder was ist überflüssig oder auch nicht vertretbar?

Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen:

Bei 10 Bewohnern habe ich mit 2 großen Kühlschränken gerechnet. Diese besitzen jeweils ein kleines Gefrierfach. Da in der heutigen Zeit eigentlich alles innerhalb weniger Stunden neu verfügbar ist, habe ich auf eine zusätzliche, große Tiefkühltruhe verzichtet. Es besteht nicht mehr die Notwendigkeit, unnötig viele Lebensmittel tief gefroren vorzuhalten.

Arbeitsplätze

Die Einbauten der Küche gliedern sich durch einen Wechsel von offenen und geschlossenen Flächen und orientieren sich an der Arbeitsweise in der Küche. Gegenstände des täglichen Gebrauchs werden in frei zugänglichen Fächern in Greifnähe untergebracht. So habe ich meine „Werkzeuge“ immer im Blick und kann mich während des Arbeitsprozesses von ihnen inspirieren lassen. Andere Gebrauchsgegenstände, die nicht so häufig benötigt werden, kommen in den geschlossenen Regalen unter und laufen nicht Gefahr zu verstauben.

Die Arbeitshöhe orientiert sich an den diesbezüglich neuesten Erkenntnissen und ist auf 98 cm festgelegt. Die schräg geneigten Fronten der Unterschränke in Verbindung mit dem offenen Sockelbereich ermöglichen es, gut vor den Arbeitsplätzen stehen zu können. Der offene Bereich der Arbeitsinseln ist so angelegt, dass man sich bei der Arbeit nicht unnötig tief bücken muss.

Die Materialität der Einbauten orientiert sich an der Bewertung ihrer „Aufgabe.“ Zu diesem Einordnungsprinzip finden sich weitere Erläuterungen in den Detailplänen.

Alltagskreativität:

Jeder Mensch hat das Bedürfnis kreativ zu sein, unabhängig davon, ob er in diesem Bereich tätig ist oder nicht. Durch unsere arbeitsteilige Gesellschaft wird der Mensch in seiner Kreativität beschnitten. Monotone Arbeitsabläufe lassen ihn abstumpfen. Die geistige Befriedigung, die er im Alltag nicht bekommt, versucht er durch Freizeitaktivitäten zu kompensieren.

Ich habe die Alltagskreativität für mich in der Form interpretiert, dass es jedem möglich sein soll, in diesem Raum aktiv zu werden und ihn nach seinen Bedürfnissen oder denen der Gruppe umzugestalten. Durch einfache Handhabung der Einbauten möchte ich die Hemmschwelle zu diesem Aktivwerden so niedrig wie möglich ansetzen. Erreichen möchte ich dies durch eine größtmögliche Flexibilität der Einrichtung unter Einbezugnahme der Decke. Der Raum lässt sich mit wenigen Griffen in eine neue Situation verwandeln. Hierbei soll der Umbau jedoch als vollwertige Raumsituation Bestand haben, der nicht zwangsläufig in die Ausgangssituation zurückgebaut werden muss. So besteht die Möglichkeit, den Raum für eine Feierlichkeit „leer zu räumen“ oder ihn z.B. für eine Filmvorführung zu verwandeln.

Deckenspiegel

Um mein Konzept vom wandelbaren Raum umsetzen zu können, bedarf es der Aktivierung der Decke. Dieser Bestandteil des Raumes wird in den allermeisten Fällen nicht aktiv genutzt und eine einmalig festgelegte Gestaltung besteht für lange Zeit. Die Decke ist für die Verwandlung meines Raumes jedoch unverzichtbar. Um die verschiedenen Szenarien durch- spielen zu können (die Möbel zu verstellen, um den Raum neu zu gestalten), muss es eine Möglichkeit geben, die Lampen umzuhängen. Wären diese fest installiert, würde jegliche Möglichkeit zur Umgestaltung im Keim erstickt. Was nützt es mir, wenn ich den Tisch verschieben kann, die Tischbeleuchtung aber immer an derselben Stelle auf Kopfhöhe hängt und sich nicht bewegen lässt?

Aus diesem Grund besteht der Deckenspiegel im Wohnbereich aus einem Raster von Metalösen und Steckdosen, welche diesen Wandel problemlos gewährleisten. Dieses Raster wird ergänzt durch Unterbauleuchten, die der allgemeinen Beleuchtung des Raumes dienen.

Hiermit sind die Möglichkeiten der Decke aber noch nicht erschöpft. Wie kann ich den Anspruch an die Wandelbarkeit des Raumes noch verstärken? Was regt mich an, um in diesem Raum aktiv zu werden? Manchmal eröffnet sich eine neue Perspektive, wenn ich die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachte.

Aus diesem Grund habe ich mir Folgendes überlegt. Befinden sich die Stühle nicht im Gebrauch, werden sie nicht einfach gestapelt und in die Ecke gestellt, sondern können mit Hilfe von Seilen unter die Decke gezogen werden. Die Stühle werden somit zum gestaltenden Element im Raum und sorgen für den nötigen Perspektivwechsel im Raum selbst und in den Köpfen der Menschen.

Der Deckenspiegel im Küchenbereich besteht aus einem rechteckigen Feld, das über dem Koch- und Arbeitsplatz angeordnet ist. Es definiert den darunter liegenden Arbeitsbereich und hat gleichzeitig die Funktion der Schallabsorption. Das Material des Deckenspiegels besteht aus 10 cm tief abgehängten Heraklit – Platten. In diese Abhängung ist auch die Allgemeinbeleuchtung für den Küchenbereich integriert.

Möbel

Welche Anforderungen muss das Möbel in Bezug auf Ergonomie, Funktionalität und Ökologie in der Küche erfüllen? Nach welchen Gesichtspunkten ordne ich den einzelnen Funktionen ihre Materialität zu?

Alle Möbel der Wohnküche entstanden aus der Analyse ihrer Funktion und des Charakters ihres Einsatzortes. Als übergeordnetes Prinzip kann hierbei die Zuweisung der Materialien angesehen werden.

So sind z.B. die Arbeitsplatten der Kücheninsel aus Ahorn gefertigt, eine gerade im Küchenbereich aufgrund der dichten Zellstruktur und der damit einhergehenden, positiven Hygieneeigenschaften gut geeigneten Holzart für diesen Zweck. Im Gegensatz dazu bestehen die Korpusse aus Nadelsperrholz. Sie haben hauptsächlich eine statische Funktion, die sie aufgrund des mehrschichtigen Aufbaus des Plattenwerkstoffes auch hervorragend erfüllen können. Da sie jedoch nicht ständig als Arbeitsunterlage genutzt werden oder mit Feuchtigkeit in Berührung kommen, ist der Einsatz eines eher einfacheren Materials an dieser Stelle durchaus vertretbar. Die Vorderstücke der Schubladen werden wiederum aus einem Massivholz, in diesem Fall Eiche, gefertigt. Da sie ständig berührt und gebraucht werden, empfiehlt sich für diesen Zweck ein beständigeres Material.

Tisch

Diese Gestaltungsprinzipien möchte ich anhand des Tisches weiter verdeutlichen. Der Tisch hat in meinem Entwurf eine zentrale Bedeutung in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist er der soziale Sammelpunkt des Hauses, auf der anderen Seite auch Hauptdarsteller meines wandelbaren Raumes. Mir war es wichtig, für diese beiden Funktionen ein Möbel zu entwerfen, das diesem Anspruch auch gerecht wird. Zum einen sollte der Tisch nicht als unverrückbare Institution den Raum dominieren, auf der anderen Seite aber auch kein Provisorium mit dem Scharm eines Tapeziertisches darstellen.

Das Ergebnis dieser Überlegungen sieht wie folgt aus: Der Tisch besteht aus zwei V – förmig aufklappbaren Böcken. Diese werden durch die einsteckbaren Zargen miteinander verbunden und ausgesteift. Die ebenfalls aufklappbare Tischplatte wird beim Zusammenbau auf die eine Seite der Böcke aufgelegt und danach umgeklappt. Die Sicherung gegen das Verrutschen besteht aus in den Böcken eingelassenen Dübel und den entsprechenden Löchern in der Platte. Durch diese Art der Konstruktion besteht des Weiteren die Möglichkeit, den Tisch auf die Hälfte seiner Breite zusammenzuklappen, um ihn z.B. für den Aufbau eines Buffets oder dergleichen zu nutzen. Sollte der Tisch, aus welchem Grund auch immer, einmal nicht gebraucht werden, kann er problemlos abgebaut, zusammengeklappt und verstaut werden.

Die Materialwahl ergibt sich wie folgt: Das Untergestell wird aus Esche gefertigt. Esche hat sehr gute Eigenschaften in Bezug auf Stabilität und Biegsamkeit. Es schwindet nur mäßig und ist „gut stehend“, was wichtig ist für das „gängig bleiben“ der Steckverbindungen. Folgende Gründe haben zur Materialwahl für die Tischplatte geführt. Zum einen darf diese sich bei einer Länge von 2,25 Metern nicht durchbiegen, zum anderen aber auch nicht zu dick und schwer sein, um die Mobilität und Wandelbarkeit des Möbels zu gewährleisten. Diesen Zweck erfüllt eine Buche – Dreischichtplatte. Sie besitzt durch ihren Aufbau hervorragende Eigenschaften in Bezug auf Biegesteifigkeit und Festigkeit. Trotzdem ist sie sehr dünn und tragfähig und besitzt eine robuste Oberflächenqualität.

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