dormi bene

Dezember 3, 2009

entwurf eines stapelbettes nach aspekten der oekologie

diplomarbeit hendrik sicking

Die Geschichte des Bettes

Schlafen gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen, demnach ist der Anfang der Geschichte des Schlafmöbels schwer nachvollziehbar. Dennoch lässt sich sagen, dass die ersten Spuren von Schlafplätzen in der Steinzeit vor über 130 000 Jahren zu finden sind. Hierbei kann man noch nicht von Möbeln im heutigen Sinne sprechen, es handelte sich mehr um Schlafstätten aus getrockneten Pflanzen und Tierhäuten. Diese Schlafstätte entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem sehr facettenreichen Möbel. Bevorzugtes Material in allen Zeitperioden war eindeutig das Holz. Der einfache Bürger nutzte einfache, profane Holz-Betten weiterhin ausschließlich als Schlafplatz. Wohingegen der mittelalterliche Adelsstand das Bett als prachtvolles Statussymbol ansah. In diesem dementsprechend gestalteten Prunkmöbel wurde nicht nur geschlafen, sondern auch regiert und Gäste empfangen. Als Beispiel seien hier die Königsschlösser Versailles in Paris, Schönbrunn in Wien und Neuschwanstein genannt. Auch diese Betten wurden aus Holz gefertigt, jedoch mit unvergleichlich mehr Aufwand geschnitzt, gedrechselt, bemalt oder vergoldet. In der weiteren Entwicklung kristallisierten sich unterschiedliche Grund-Betttypen heraus. Zusammengefasst unter dem Stil der jeweiligen Epoche sind diese Grundformen mit den typischen Ornamenten versehen. So lassen sich die Betten klar den Epochen wie Barock, Rokoko, Biedermeier oder Jugendstil zuordnen. Die Unterschiede in den Bettformen waren vor allem regional bedingt. Tendenziell traten in den nördlichen Regionen eher geschlossenen Schlafmöbel wie zum Beispiel Alkoven und Kastenbetten auf, wohingegen in den südlichen Ländern eher offene Betttypen wie Himmelbetten, Baldachinbetten und Bettliegen zu finden waren. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Betten vielschichtiger in der Materialwahl und schlichter im Design. Aus praktischen Erwägungen waren geschlossene Kastenbetten gefragt. Erst neuere Erkenntnisse hinsichtlich der Belüftung der Matratzen beeinflussten das Design insofern, als das die Betten wieder offener gestaltet werden.

Der Einfluss des gesellschaftlichen Wandels auf die Form des Bettes

Auch in der heutigen Zeit unterliegt das Bett einem ständigen Wandel. Im Wesentlichen vollzieht sich dieser jedoch nicht mehr im Grundtyp Bett, sondern mehr in dessen Anpassung an die sich zeitlich verändernden Lebensumstände des Menschen. Parallel zum gesellschaftlichen Wandel entwickelt sich das Bett eher vom früheren Lebensgefährten heutzutage zum Lebensabschnittsgefährten. Betten sind vermehrt auf eine kurze Lebensphase des Menschen ausgelegt und werden bei unterschiedlichen Lebensumständen durch einen neuen Betttyp ersetzt. In diesem Zusammenhang spielen auch berufliche Veränderungen und damit eine größere Bereitschaft zu Mobilität undWachstums- und bedürfnisbedingt durchläuft der Mensch eine häufig gleiche „ Bettenreihenfolge“. Angefangen bei der Wiege über das Kinder- zum Jugendbett bedingt die Körpergröße den Wandel. Ab diesem Zeitpunkt werden die Anforderungen an das Bett eher durch Veränderungen der Lebensumstände hinsichtlich des jeweiligen Lebenspartners bestimmt. So entwickelt sich das Bedürfnis nach einem anderthalb Personenbett fürs gelegentliche gemeinsame Schlafen. Im weiterführenden entsteht der Wunsch nach einem Doppelbett für eine dauerhafte Partnerschaft. Mit steigendem Alter erhöht sich das Bedürfnis nach bestmöglichem Komfort, was wiederum einen Wandel des Schlafmöbels bedingt.

Die individuellen Schlafbedürfnisse

Schlafbedürfnisse sind individuell und werden von jedem Menschen unterschiedlich definiert. Dennoch lassen sich einige Kriterien formulieren, die allgemeingültig sind. Entscheidend für einen guten Schlafkomfort ist die Wahl des richtigen Schlafsystems. Die Unterfederung sowie die Matratze müssen auf die Gewohnheiten und Bedürfnisse des Benutzers abgestimmt sein. Wichtig für ein optimales Schlafklima ist eine gute Belüftung des Schlafsystems, die gewährleistet, dass beim Schlaf auftretende Feuchtigkeit direkt abgeführt werden kann. Ebenso wichtig ist die Punktelastizität der Matratze, sie muss sich individuell und punktgenau dem Körper anpassen können. Die dort auftretenden Kräfte werden flächig von der Unterfederung aufgenommen. Für einen gesunden und erholsamen Schlaf ist die richtige Materialwahl von großer Bedeutung. Die Verwendung natürlicher Materialien erhöht nicht nur den Schlafkomfort sondern ist auch vom gesundheitlichen Aspekt her von entscheidender Wichtigkeit. Luftundurchlässige Kunststoffe mit giftigen Ausdünstungen sind in jedem Fall zu vermeiden. Klebstoffe sollten möglichst sparsam verwendet werden und emissionsarm sowie natürlich beschaffen sein. Auch Metalle können das Schlafempfinden negativ beeinflussen. Der Einsatz ökologischer Materialien reduziert die Anfälligkeit für Allergien. Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, muss das Möbel aus ökologisch sinnvollen, nachwachsenden Rohstoffen gefertigt werden. Zudem sollte es eine lange Lebensdauer versprechen und sich flexibel den Bedürfnissen des Nutzers anpassen.

Die Konzeption meines Schlafmöbels

Maßgeblich für meine Konzeption war der Gedanke, ein ökologisch nachhaltiges Möbel zu entwickeln, welches auch hinsichtlich der sozialen und gesellschaftlichen Belange der heutigen Zeit entspricht. Aus dieser Grundüberlegung heraus habe ich mich für die Verwendung von Massivholz und den ökologischen Holzwerkstoff Multiplex entschieden. Um dem Bestreben nach größtmöglicher Flexibilität Rechnung zu tragen, habe ich das Möbel als Stapelbett konzipiert. Mit wenigenHandgriffen lässt sich dieses Platz sparende Einzelbett auf zwei oder mehr Schlafplätze erweitern. Diese können einzeln genutzt oder zu einem Doppelbett zusammengefügt werden. Das Kriterium der Stapelfähigkeit war im Wesentlichen ausschlaggebend für die Formfindung. Durch die leichte Schrägstellung des Kopf- und Fußteiles und die Abstellmöglichkeit auf den überstehenden Seitenteilen können beliebig viele Betten formschlüssig übereinander gestapelt werden. Die seitlich bündig liegende Matratze bedingt dies als einzig mögliche Stapelfläche und ermöglicht ein fugenloses aneinanderreihen.

Die Form

Formschlüssige Holzverbindungen und schräg ausgestellte Beine erhöhen die Standfestigkeit und Stabilität. Auch dynamischen Belastungen, wie sie beispielsweise bei spielenden Kindern oder beim Sex auftreten, hält das Bett damit problemlos Stand. Die klare Formgebung resultiert aus der oben angeführten Nutzung sowie der im folgenden näher erläuterten Fertigungsmethode.

Die Technik

Aus dem ökologischen Grundgedanken entstand die Forderung nach einer metall- und kunststofffreien Verbindung, welche werkzeuglos montier- und demontierbar sowie stabil sein soll. Aus ökonomischen Gründen habe ich CNC-gefräste Holzverbindungen gewählt und diese aufwändig Handgefertigten vorgezogen. Wesentlicher Vorteil der computergestützten Fertigung ist die verschnittoptimierte, individuell angepasste Serienfertigung sowie die vergleichsweise aufwandsarme Reproduzierbarkeit. Wichtig bei Holzverbindungen ist die Formschlüssigkeit, welche durch die materialgerechte CNC-Fertigung passgenau erreicht wird. Alle Fräsungen meines Bettes können mit einer gebräuchlichen 3-Achs CNC-Fräse gefertigt werden. Nur wenige Arbeitsschritte werden noch manuell ausgeführt. Die Kopf- und Fußteile müssen einmal schräg abgesägt werden, die fingerschmeichelnden Griffmulden werden eingefeilt, alle Flächen und Kanten geschliffen und geölt.

Mein Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ansprüche an ein Schlafmöbel als Erholungsort des Menschen sehr facettenreich sind. Zum einen muss es flexibel und wandelbar sein, um sich dem Menschen und seinen Bedürfnissen individuell anzupassen, zum anderen muss es die nötige Stabilität mitbringen sowie möglichst natürlich beschaffen sein, um einen gesunden Schlaft zu gewährleisten. Aus dem Versuch, diese Kriterien in meinem Entwurf zu vereinen, entstand mein Konzept des ökologischen Stapelbettes. Dieses eignet sich sowohl für den alltäglichen Gebrauch in allen Lebensphasen eines Erwachsenen als auch als Schlafmöglichkeit für Gäste, denen damit eine erhöhte Wertschätzung entgegengebracht wird.

Die Materialien

Mein Ansatz für die Konzeption meines Schlafmöbels bestand darin, ein ökologisch nachhaltiges Bett zu entwickeln. Die Vorstellung eines völlig metallfreien Bettes habe ich in der Form gelöst, dass ich die Eckverbindungen nicht wie üblich mittels Verbindungsbeschlägen hergestellt habe. Ich habe ein Stecksystem entwickelt, dass sich durch eine spezielle Fräsung leicht verbinden und auch wieder lösen lässt. Als Material eignet sich hierfür in besonderer Weise Multiplex, welches ich mit Nussbaumfurnier belegt habe. Aus technischer Sicht könnten auch andere Furniere wie z.B. Eiche, Kernbuche, Kirschbaum oder Birke verwendet werden. Multiplex weist eine sehr hohe Bruchfestigkeit sowohl in Quer- als auch in Längsrichtung auf, ist formstabil und wirft sich nicht, ist flexibel und ermöglicht leicht biegsame Teile im Beschlag.Diese Formstabilität ist für mein Stecksystem von besonderer Bedeutung. Massivholz unterliegt hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit relativ starken Schwankungen und wäre somit für meine Steckverbindungen nicht geeignet. Auch in ökologischer Hinsicht ist Multiplex unbedenklich, da es sich um einen Plattenwerkstoff handelt, welcher formaldehydfrei verleimt verfügbar ist. Als Material für die Lamellen meines Lattenrostes habe ich Esche gewählt, da dieses Holz sehr flexibel und biegsam ist. Es ermöglicht eine gute Federwirkung mit geringer Bruchgefahr. Die Innenlagen der schichtverleimten Lamellen können auch aus weniger hochwertigem Holz bestehen, da sie nicht so viele Zugkräfte wie die Außenlage aufnehmen müssen. Die Oberflächen des Bettes sowie der Lattenroste habe ich mit Hartöl behandelt. Dieses Öl enthält ausschließlich nachwachsende, pflanzliche Rohstoffe, die dem Kreislauf der Natur entnommen wurden und biologisch sehr leicht abbaubar sind. Als Lösemittel dient reines, natürliches Citrusschalenöl, das durch fraktionierte Destillation von reizenden Aromastoffen befreit wurde. Hartöl spezial dringt tief in das Material ein, mindert die Saugfähigkeit und wirkt wasserabweisend. Um dem ökologischen Anspruch auch bei der Matratze gerecht zu werden, habe ich Naturlatex gewählt. Das in dieser Matratze verwendete Material ist bakteriostatisch, bleibt konstant elastisch, besteht aus einem erneuerbaren Rohstoff und lässt sich umweltfreundlich entsorgen. Die obere Auflage besteht aus Schafschurwolle. Diese Qualität stammt von im Freien lebenden Tieren und wird nur gewaschen sowie mechanisch bearbeitet, aber nicht chemisch behandelt, damit die Selbstreinigungskraft der Schurwolle erhalten bleibt.

Das Schlafsystem

Guter Schlaf ist die Grundlage eines gesunden Lebens. Da der Mensch aus der nächtlichen Regeneration die Grundlage für Gesundheit und Leistungsfähigkeit schöpft, ist es unerlässlich, sich mit der ergonomischen Gestaltung von Liegesystemen zu befassen. Wir verbringen im Durchschnitt 30-35 % der Jahresstunden im Bett, nahezu doppelt so lange wie am Arbeitsplatz. Untersuchungen zeigen, dass die richtige Haltung der Wirbelsäule im Liegen am besten auf einer flexiblen Unterfederung mit einer darauf abgestimmten Matratze erreicht wird. Dabei kommt die Stellung der Wirbelgelenke der Ruhehaltung beim aufrecht stehenden Menschen am nächsten. Wird diese Liegehaltung erreicht, können sich Körper und Geist im Schlaf optimal regenerieren. Das gilt auch für die Bandscheiben. Je weniger Fehlbelastungen sie im Liegen erfahren, desto besser können sie die benötigte Nährflüssigkeit aufnehmen. Unterstützt wird diese Flüssigkeitsaufnahme der Bandscheiben durch Bewegung. Ein gesunder Mensch ändert seine Schlafposition ca. 40-60 mal in der Nacht. Das perfekte Schlafsystem muss auf den jeweiligen Benutzer richtig abgestimmt sein. Es ist abhängig von Körpergröße, Gewicht, Körperform (Männer sind im Durchschnitt breitschultriger als Frauen, dagegen besitzen Frauen meistens ausgeprägte Körperformen), jedoch auch von Schlafgewohnheiten wie die Schlaflage. Grundsätzlich aber kann man festhalten, dass die Unterfederung möglichst flexibel sein muss. Die Matratze sollte punktelastisch sein, damit die individuelle Körperform des Benutzers aufgenommen werden kann und so die Wirbelsäule sowohl in Rücken- als auch in Seitenlage in ihrer natürlichen Form gelagert wird. Es ist also entscheidend, den richtigen Härtegrad der Matratze für den jeweiligen Benutzer zu finden. Die Matratze muss dort punktelastisch sein, wo die Körperform es erfordert und gleichzeitig den Körper an den Stellen unterstützen, die eine Lagerung der Wirbelsäule in ihrer natürlichen S-Form ermöglicht. Ein angenehmes Bettklima verbessert die Schlafqualität. Es wird von vielen Faktoren beeinflusst: Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit, Be- und Entlüftung der Matratze, Bettausstattung und vom Schläfer selbst durch Körpertemperatur und Transpiration. Ein Schlafsystem muss feuchtigkeitsregulierend sein, sowie eine Luftzirkulation erlauben. Für das Schlafraumklima werden eine Temperatur von ca. 16-18° C und eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 % empfohlen.

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