Hineinführend und Herausstrebend

September 25, 2009

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Gestaltung einer interaktiven Ausstellung für das geplante Wohnquartier Möckernkiez

Bachelorthesis Kathrin Scheurich

Möckernkiez ist….
…ökologisch, vorbildlich, nachhaltig, innovativ, veränderlich, partizipativ, sozial integrativ, barrierefrei, eine Stadtoase.
…für mich versinnbildlicht in der Spirale als Inspirationsquelle meines Entwurfs,als identifikationsstiftende Bauform, als Symbol für Einheit im Gleichgewicht zwischen Hineinführend und Hinausstrebend.

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Die Initiative Möckernkiez ist eine Frucht, die nach langer Entwicklung als Gesamtheit der Organe aus der Blüte hervorgeht, um die Samen bis zu deren Reife zu umschließen. Sie dient der Ausbreitung. Je nachdem, ob die Samen von der Frucht eingeschlossen oder im reifen Zustand freigesetzt werden, umterscheidet man in der Botanik zwischen Schließ- und Streufrüchten. Für mich entspricht Möckernkiez den Eigenschaften beider Fruchtformen: als Stadtoase grenzt sich das Quartier bewusst vom Lärm und der Hast der Stadt ab und als Vorbild trägt das Quartier seine Ideen als Modellprojekt an andere Menschen heran.

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Als Grundvoraussetzung entspricht die Ausstellungsgestaltung den Leitideen der Initiative und schafft somit ein hohes Maß an Identifikation bei den Möckernkiezbewohnern. Des weiteren soll die Ausstellung als Austauschplattform zwischen den Kiezbewohner, den Fördermitgliedern, den Anwohnern, der Stadt und jedem Betrachter dienen. Die Ausstellung soll einem Trichter gleichen, in dem alle verschiedenen Ebenen als kleinster gemeinsamer Nenner im Zentrum zusammenfließen. In Form einer Zielscheibe habe ich die Zielsetzung der Ausstellung veranschaulicht. Eine besondere Rolle kommt der Partizipation zu, die direkt, also als Dialog oder Erfahrung auftreten kann oder indirekt durch Identifikation oder durch Weitergabe der positiven Erinnerung an das Erlebnis der Ausstellung an Andere. Dieser Aspekt und die Veränderbarkeit der Ausstellung garantieren die Nachhaltigkeit der Ausstellung.
An der Ecke der vielbefahrenen Yorck- und Möckernstraße definiert und markiert der Turm, der die Ausstellung in sich birgt, eine ganz wesentliche Stelle: er strahlt leuchtturmartig über die Kreuzung in die Stadt und fängt die negativen Energien der Stadt vor dem Wohnquartier ab. Da das Turmgebäude noch nicht existiert, hatte ich die Möglichkeit, die Hülle der Ausstellung so zu entwerfen, dass sie selbst als Exponat dient, indem sie den Grundideen von Möckernkiez entspricht und diese symbolhaft nach außen trägt und gleichzeitig als Medium den Kern enthält: eine veränderbare Ausstellung, in der Inhalte vermittelt, zur Schau gestellt, in einen gemeinsamen Kontext gestellt werden.

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Schon in meinen ersten Entwürfen taucht die Spirale als vollkommene, symbolhafte Form auf und entspricht dem Charakter des Öffnens und des Schließens durch die Belegung der beiden Seiten des sich nach oben windenden Bandes mit zwei unterschiedlichen Materialen (der Efeu als weiches, transluzentes Material und Metall als abweisendes, homogenes). Mich beschäftigte die Spannung und Abhängigkeit zwischen Ausblick, Einblick und Durchsicht, die im ersten Entwurf ihre Umsetzung als begehbaren Turm finden. Da der für die notwendige Barrierefreiheit erforderliche Neigungswinkel den Einbau eines Aufzuges verlangt hätte, entschied ich mich für eine Funktionstrennung: einen ebenerdig begeh- und befahrbaren Ausstellungsbereich, in dem bewegliche Ausstellungspaneele ein spannungsreiches Spiel von Ausblick, Einblick und Durchsicht erzeugen und den sich nach oben windenden, nicht begehbaren Turm mit der Funktion als Wahrzeichen und zur Leitung der Energie des Kosmos in das Innere des Gebäudes. Besonders intensiv habe ich mich mit der interaktiven Gestaltung und der Abhängigkeit der einzelnen Elemente zueinander beschäftigt. Ich habe nach Motiven und Inhalten gesucht, die Gemeinschaft symbolisieren wie z.B. Zahnräder, die zusammen wirken oder Handlungen, die ein gemeinschaftliches Wirken abverlangen wie z.B. das Backen und Teilen von Brot.
Erst in meinem Endentwurf erreiche ich ein Zusammenwirken aller Puzzleteile, eine Abhängigkeit von innen und außen, oben und unten und nicht zuletzt den Menschen zueinander und zu ihrer Umgebung.

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Den Dreh- und Angelpunkt der Ausstellungsarchitektur bilden 12 Paneele mit den Maßen 1,20 m auf 2,40 m Höhe, um den barrierefreien Ein- und Austritt ins Innere des Turmes zu ermöglichen. Die Paneele könne gemäß des Ausstellungthemas mit Informationsplakaten bespielt werden und erlauben sowohl die Darstellung von kontroversen Inhalten gemäß der zwei Seiten einer Medaille, als auch die Darstellung eines gemeinsamen Kontextes zwischen benachbarten Paneelen. Durch das manuelle Drehen der Paneele entsteht ein spannungsreiches Spiel zwischen Ausblick, Einblick und Durchsicht und der Wasserkreislauf wird geschlossen. Um positiv auf den Besucher zu wirken (Wasser speichert Informationen und wirkt sogar ohne Berührung auf das Wohlbefinden des Menschen, der selbst aus 60% Wasser besteht) und um zu veranschaulichen, dass das Handeln jedes Einzelnen Auswirkungen auf die Umgebung hat, habe ich im Turm einen Wasserkreislauf integriert. Wasser wird beim Öffnen jedes Ausstellungspaneels durch die Edelstahlrohre der Tragkonstruktion nach oben gepumpt, läuft in der Spirale nach unten und mündet in einer Wasserwand an der Innenseite der letzten Drehung der Spirale. Der Lärm, der durch die geöffneten Paneele nun ins Innere des Turmes gelangen kann, wird vom sanften Plätschern des Wassers übertönt und die Besucher können sich weiterhin auf die Ausstellungsinhalte und sich selbst konzentrieren. Denn im Zentrum des Turmes befindet sich eine Riesenklangschale, die nur durch das gleichmäßige Zusammenwirken von mehreren Menschen ihren anschwellenden, sich im Turm ausbreitenden Ton entfalten kann. Dahinter steckt der Gedanke, dass kein einzelner Mensch die Mitte des Turmes für sich alleine beanspruchen kann, aber durch das Zusammenwirken mit anderen seine eigene Mitte finden. Erlebbar wird der Wasserkreislauf visuelll dadurch, dass beim Durchpumpen des Wassers durch die Edelstahlrohre der Lichtstrahl der Allgemeinbeleuchtung so gebrochen wird, dass er durch ein Prisma fällt, dass das weiße Licht in seine Spektralfarben spaltet und das Innere des Turmes nur für einen Moment in den schönsten Regenbogenfarben schillern lässt.
Der Turm entspricht den Leitgedanken des Wohnquartiers vom ökologischen Bauen. Er ist energieautark, indem er sich selbst durch eine sich der Sonne nach ausrichtende, halbkugelförmige Photovoltaikanlage mit Energie versorgt. So wird die (Um-)Welt liebevoll umarmt. Außerdem finden mit dem Backstein und dem Efeu Materialien aus der Region Verwendung. Beide Materialien übernehmen zudem eine identifikationsstiftende Funktion: der Backstein als lokaltypisches Material in Berlin und der Efeu als organisches, sich langsam über den Turm ausbreitendes Gebilde , dass die prozesshafte Entwicklung des Quartiers ablesen lässt. Als Traggerüst dienen 12 konisch zulaufende Edelstahlrohre, an denen alle Bauelemente aufgehängt sind.

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Obwohl der Schwerpunkt meiner Thesis auf dem Entwurfskonzept lag, war mir die Umsetzbarkeit meines Enwrufs nicht weniger wichtig. Zahlreiche Diskussionen mit Experten verschiedenster Gebiete brachten befruchtende Impulse und Lösungsansätze hervor, die für mich die Grundlage zur Konstruktion eines 3d-Modells bildeten. Um den räumlichen Eindruck des Eintretens in den Turm nachvollziehbar zu machen, habe ich eine Animation erstellt, von welcher eine Auswahl an Bildern hier chronologisch aneinandergereiht sind.

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