neuform des badehaus
Mai 26, 2009

ideen entwicklung fuer eine zeitgemaesse badekultur im moeckernkiez berlin
diplomarbeit jan tiemann
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berlin, kreuzberg – ist beliebt..
beliebt wegen seiner toleranz und seiner zwanglosigkeit und wegen der selbstverstaendlichkeit, mit der es seine andersartigkeit zur schau stellt. geschaetzt wird dieser lebensraum von den unteschiedlichsten menschen und charaktaeren. studenten, arbeitslose und stadtstreicher, aber auch besserverdiener und buergerliche leute leben hier. menschen mit migrationshintergrund, oft auch ohne, alte, junge, schwule und lesben, kuenstler und vandalen bevoelkern diesen bereich von berlin. dieses nebeneinander verschiedener lebensmodelle, und die moeglichkeiten der ungezwungenen entfaltung haben einen markanten und selbstbewussten stadtteil entstehen lassen. kreuzberg ist angesagt und das aus gutem grund. leider aber auch bei finanzkraeftigen investoren, die ihre kunden an diesem extravaganten lebensgefuehl teilhaben lassen wollen. doch mit ihnen kommen lounges, exklusivparkplaetze und latte macchiato bars,und auch die anhebung des mietspiegels nagen an den wurzeln des gefueges kreuzberg und können es zum wanken bringen.

moeckernkiez
einen anderen weg schlaegt das in eigenregie wachsende wohnungsbauprojekt initiative moeckernkiez ein. es hat sich als ziel gesetzt, ein nachhaltiges und modernes stadtquartier zu verwirklichen. treibende kraft der buergerinitiative ist der eigennutz, denn sie entwerfen gemeinsam einen ort, an dem sie nicht nur wohnen, sondern auch leben wollen. das fundament ihrer planung setzt sich aus selbstbestimmung, oekologie und soziale integration zusammen. ihrer vision folgend versuchen sie, einen ort zu formen,der in seiner ganzheit funktionieren soll. erschwingliche mieten, barrierefreiheit und mehrgenerationenwohnen, sowie die bedachte resourcennutzung, ein nachhaltiges energiekonzept und stimmige integration in das umliegende stadtbild bilden das tragwerk fuer einen wohnungsbau mit einer hoher lebensqualitaet. wichtig ist den zukuenftigen bewohnern eine infrastruktur, die die ansiedelung von gewerbe zulaesst. freie ateliers, ein bioladen, cafes oder ein kleines lichtspielhaus sollen leben in den kiez holen und ihn sich entfalten lassen.
warum ein badehaus im moeckernkiez
die besonderheit des badehaus liegt in seiner starken symbolik. viele der grundgedanken der bewohner des moeckernkiez vereinen sich in der funktion und beschaffenheit des gebaeudes. es bereichert den kiez um einen ort der gemeinschaft und der gleichheit. ein oeffentlicher treffpunkt entsteht, der die bewohner zusammenfuehrt und die verbindung untereinader staerken wird. das badehaus wirkt aber nicht nur innerhalb der grenzen des moeckernkiez. gaeste koennen eingeladen werden und an dem prozess teilhaben, oder besucher verweilen am gewaesser und geniessen gemeinschaftlich den sonnenuntergang. es wird anreiz geben es zu thematisieren und die gedanken auch ausserhalb der wohnsiedlung anzuregen. somit wird es zu einem teil im gefuege wie sich der moeckernkiez nach aussen definiert.
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die lage
das badehaus ist an zentraler stelle inmitten des kiez geplant. es liegt genau auf der grenze zwischen baugrund und einem naturbelassenen park und ist so topografischer mittler zwischen den bereichen. durch die beschaffenheit des gebaeudes und seinem standort werden grenzen definiert, die zum ueberschreiten einladen. eine erlebbare schwelle entsteht, die sensibilisierend und anregend auf den besucher wirkt. die ostseite des gebaeudes ist dem kiez zugewandt und ein erdwall bedeckt sie. dichte stachelbewehrte buesche, wie etwa schwarzdorn und hagebutten bewuchern den wall und schaffen einen abgeschirmten lebensraum. eine belebte huelle entsteht, welche von voegeln, insekten und kleinsaeugern bewohnt werden wird. der bewuchs schlaegt eine bruecke zu dem hinter ihm liegenden naturpark, er gleicht das gebaeude an. jahreszeiten sind erkennbar. im fruehjahr bluehen die buesche ueppig und wohlduftend in weiss und lila, bienen und schmetterlinge werden von ihnen angelockt. bis weit in den winter hinein tragen die buesche ihre frucht und erhalten so in der kargen landschaft kraeftige farben. durchbrochen wird der erdwall durch einen stollenartigen gang, der leicht geneigt durch das innere des massiven walls fuehrt. mit geheimnisvoller geste zieht er den besucher an und laedt ein, ihn zu betreten, beim durchschreiten wird die ruhe und die kraft wahrnehmba, die dem erdwall innewohnt. er wirkt auf den besucher und bestaerkt ihn in seiner absicht. tritt man aus ihm hervor, erweitert sich das blickfeld und offenbart den hinter dem wall liegende weiher und die ihn umgebende natur. der schwere aus erde aufgehaeufte wall schirmt die oeffentlichkeit ab und schafft so, in mitten urbaner strukturen, einen geschuetzten rueckzugsort. hier kann man, getragen von dem holzsteg, verweilen und die umgebung auf sich wirken lassen. diese eindruecke in sich aufnehmend betritt der besucher das gebaeude.
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die zeremonie des badens
die subtile beeinflussung durch architektur stellt in meinem entwurf ein wichtiges mittel fuer die sensibilisierung der besucher dar. ich moechte mit diesem badehaus nicht nur den zwischenmenschlichen dialog anregen, sondern auch einen ort schaffen, an dem die kontaktaufnahme zu dem eigenen koerper stattfinden kann.einen ort der inneren einkehr. ich empfinde das badehaus als eine kompensierende kraft, einen ort, der der komplexitaet und der schnelllebigkeit unserer zeit entgegenzuwirken vermag. das ritual des badens ist ein vorgang aus dem der teilnehmende kraft schoepft. durch das bewusste erleben von wahrnehmung, wird eine verbindung von koerper und geist hergestellt. ein meditativer zustand wird erreicht, aus dem der besucher gestaerkt und ausgeglichen hervorgeht. ein beispiel hierfuer ist die monoton scheinende taetigkeit des waschens, wie man sie in einer traditionellen russischen banja beobachten kann. vor dem eintreten in den waermenden bereich nehmen sich die besucher scheinbar ewigkeiten zeit fuer die koerpereinigung. hierbei entsteht eine sehr hohe harmonie, das staendige wiederholen von den bewegungen beim einseifen und abspuelen wirkt selbst auf den betrachter beruhigend und in den gesichtern der waschenden ist eine tiefe insichgekehrtheit zu erkennen.
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die raeumlichkeiten
das waschen ist teil von einer folge von ablaeufen die im inneren des badehauses vollzogen werden. die topologie der raeume entstand aus dem kontext dieser ablaeufe heraus. die einzelnen raeume sind durch schwellenbereiche voneinander abgegrenzt und haben doch genug transparenz, um miteinander wirken zu koennen. es sind separate bereiche,die in bezug zueinander stehen und in ihrer gesammtheit verschmelzen. akustik und lichtverhaeltnisse, materialien und volumen variieren von raum zu raum und sind durch die ihm zugedachten taetigkeit gepraegt. wichtig ist es, ein umfeld zu schaffen, in welchem sich der gast wohl und geborgen fuehlt. einen ort, der stimulierend wirkt, jede form von aufdringlichkeit aber vermeidet. alle bereiche unterliegen einer reduzierten gestaltung mit einer ausgepraegten materialitaet. die natuerlichkeit der gewaehlten materialien geben dem badehaus eine tiefe und ruhige ausstrahlung und schaffen akzeptanz zwischen besuchern und gebauede, indem sich wahrnehmung verdichtet und einen regenerativen prozess einleitet. ein ort, der menschen verbindet. es ist ein ort der akzeptanz und des bewusstseins.

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